Ali, stell dich kurz vor – wer bist du, wo kommst du her?
Ich bin Ali, 1987 im Ruhrgebiet geboren, in Dortmund aufgewachsen. Ich bin Türke, meine Frau ist Deutsche und vor fünf Jahren bin ich zurück in die Türkei gezogen, wegen der Familie. Meine Frau und mein vierjähriger Sohn leben noch in Deutschland, aber die kommen ständig rüber. Ich bin eigentlich gelernter Parkett- und Bodenleger, aber das war hier in der Türkei keine Option. Also musste ich mir etwas Neues suchen.
Wie bist du dann zum Callcenter-Bereich gekommen – und irgendwann zu yoummday?
Als Parkett- und Bodenleger hatte ich in der Türkei keine Perspektive, also habe ich mich umorientiert und in einem Callcenter für einen großen Elektronikhändler angefangen. Eineinhalb Jahre war ich da, war auch einer der Besten, wollte immer mehr Verantwortung übernehmen – aber die haben mich immer hingehalten. Statt mich zu fördern, haben sie jemanden aus einem anderen Projekt als Teamleiter geholt. Das war erst mal zum Ärgern, aber aus dem Kollegen ist dann eine echte Freundschaft geworden. Und der hat mir irgendwann gesagt: „Hey, da gibt es eine Plattform, yoummday. Du kannst arbeiten, wann du willst, wie du willst, wo du willst." Ich habe gesagt: Her damit.
Warst du am Anfang skeptisch?
Natürlich. Ich hatte gerade eine Wohnung gekauft, laufende Kredite und dann kommt jemand und sagt, geh auf eine Plattform, von der du noch nie gehört hast. Mein Kollege selbst war noch nicht mal angemeldet, er hatte nur davon gehört, dass die zuverlässig auszahlen. Aber ich habe mir gedacht: Was soll schon passieren, wenn es schiefgeht? Einen Monat? Okay, das ist Risiko. Ich musste es einfach probieren. Und jedes Mal kam mein Geld. Bis heute.
Was hat dich in den ersten Monaten überrascht?
Ehrlich gesagt war der Anfang eine Lernkurve. Ich wusste damals noch nicht mal, was Onboarding bedeutet, und hatte niemanden, der mir dabei geholfen hat. Ich habe mich da alleine durchgekämpft – aber genau das hat mich auch stärker gemacht. Und dann hat mich ein Projekt angenommen, das Vorstellungsgespräch lief direkt mit meiner heutigen Teamleitung. Was Besseres hätte mir wirklich nicht passieren können. Nach drei Tagen habe ich ihr schon eine Privatnachricht geschrieben: „Ich kenn dich erst drei Tage, aber ich möchte, dass du meine Teamleiterin wirst." Die hat zurückgeschrieben: „Das klappt mit uns, ich versuch alles, dass du in mein Team kommst." Seitdem bin ich in diesem Projekt – jetzt im vierten Jahr.
Und heute bist du SME. Wie kam es dazu?
Ich habe mich einfach reingehängt. Ich habe mir einen Namen gemacht, und dann haben mich andere Teamleitungen und Projekte angesprochen. Irgendwann hatte ich gleichzeitig drei Projekte plus die SME-Rolle. Aber mein Hauptprojekt lasse ich nie im Leben los – das ist mein Baby geworden. Ich versteh mich dort mit allen, egal ob Talents oder Führungskräfte. Die können sich auf mich verlassen, und ich mich auf die. Das ist nicht selbstverständlich.
Was motiviert dich, jeden Morgen den Laptop aufzuklappen – gerade im Homeoffice?
Mein Sohn. Ich will, dass der Tag schnell rumgeht, damit ich abends mit ihm telefonieren kann. Und natürlich das Geld – wenn du nicht telefonierst, verdienst du nichts, das ist die Ehrlichkeit dieses Modells. Du hast es selbst in der Hand. Ich habe das neulich noch mal gespürt, weil ich nebenher noch einen Job mit Stundenlohn hatte. Sieben Stunden sitzen, Festzeit, kein Spielraum. Das hat mich eingeengt. Ich habe nach neun Wochen gekündigt. Was ich dort verdient habe, verdiene ich hier auch – wenn nicht mehr. Und dazu noch die Freiheit.
Was ist das Beste an dieser Freiheit?
Dass du niemanden fragen musst, ob du auf die Toilette kannst. Oder ob du deine Haustür aufmachen darfst, wenn es klingelt. Deine eigene Haustür – überleg dir das mal. Das klingt übertrieben, aber das ist Alltag in normalen Callcentern. Bei yoummday bestimmst du selbst, wann du arbeitest, wie lange, wie oft du Pause machst. Ich finde das Modell besonders gut für Mütter: morgens Kind in den Kindergarten, drei Stunden arbeiten, Kind abholen, abends nochmal zwei, drei Stunden – alles flexibel. Das ist eine echte Lebensverbesserung.
Vermisst du den Austausch mit Kollegen, den man aus einem klassischen Bürojob kennt?
Überhaupt nicht. Sobald ich das Headset aufsetze und online bin, bin ich nicht allein – auf keinen Fall. Ich habe durch yoummday Freunde aus der ganzen Welt gefunden: aus Malta, Griechenland, Bosnien, Mexiko. Letzten Monat habe ich vier Kolleginnen aus einem anderen Projekt kennengelernt, die in meiner Nähe wohnen – die sind extra zu mir ans Meer gekommen und wir haben zusammen gefeiert. Das ist nicht selbstverständlich. Aber es passiert hier.
Gibt es einen Moment mit einem Kunden, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ich habe eigentlich jeden Tag solche Momente. Kunden melden sich direkt bei mir und schreiben, dass ich sie gut beraten habe. Das ist mir inzwischen wichtiger als Platz eins in der Statistik. Ich will nicht, dass ein Kunde zwei Monate später anruft und sagt, der Herr A. hat mir das Falsche empfohlen. Deswegen höre ich wirklich zu. Ich hatte mal einen Kunden, der wollte etwas, das wir gar nicht anbieten. Ich habe trotzdem für ihn recherchiert, ihm Telefonnummern und Anlaufstellen rausgegeben, damit er woanders weitermachen konnte. Der war begeistert. Sowas bleibt hängen – auf beiden Seiten.
Du hast über 90 Talents zu yoummday gebracht und gibst neuen Leuten viel von deiner Zeit. Was treibt dich da an?
Das hat viel damit zu tun, dass ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man niemanden hat, der einem hilft. Als ich angefangen habe, war ich komplett auf mich allein gestellt. Heute, wenn mich jemand anschreibt und sagt „Ich trenne mich gerade, hab zwei Kinder und brauche dringend etwas" – dann will ich helfen. Nicht wegen dem Weiterempfehlungsbonus. Ich habe neulich sogar jemandem gesagt: „Ich verzichte auf die Prämie, lass uns einfach dafür sorgen, dass du reinkommst." Ich sag immer: Ich mach dir die Tür auf – durchgehen musst du selbst. Aber die Tür aufzumachen, das kann ich.
Und deswegen begleite ich neue Talents auch wirklich durch den Start: Onboarding zusammen durchgehen, Bildschirm teilen, alles Schritt für Schritt. Die Talents, die ich heute hereinhole, haben es viel leichter als ich damals. Das macht mir Freude.
Mein wichtigster Tipp an alle, die anfangen: nicht aufgeben. Keine Angst vor der Telefonie – das kommt alles mit der Zeit, das läuft irgendwann automatisch. Und hier macht niemand Druck. In einem neuen Projekt hat mir niemand gesagt: „Du bist nicht gut genug, tschüss." Die sagen: „Das kannst du so besser machen." Du bist nicht alleine. Das ist ein riesiger Unterschied zu einem klassischen Callcenter.
Ali, vielen Dank für deine Offenheit und dafür, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Was du für die yoummday-Community leistest – nicht nur als SME, sondern als Mensch – ist alles andere als selbstverständlich. Wir freuen uns, dass du dabei bist.
